Transferanalyse Part 6 (2016/2017)

Veröffentlicht am Veröffentlicht in Samir Arabi – Heilsbringer oder Hindernis

Saison 2016/2017:

Abgänge:

Das erste Mal seit 5 Jahren und das erste Mal unter Samir Arabi gelang Arminia der Nichtabstieg in Liga 2 und somit der Verbleib in Deutschlands Unterhaus.
Eine willkommene Situation für die Ostwestfalen, sollte man meinen, da die vorangegangene Saison eigentlich gänzliche ohne Abstiegskampf und mit einem neuen Unentschieden-Rekord (18 an der Zahl) vonstatten gegangen war.
Samir Arabi hatte nun also die Aufgabe einen passablen Zweitliga Kader zusammen mit Norbert Meier punktuell zu verstärken um somit das Ziel Klassenerhalt erneut souverän erreichen zu können.
Aber erstens kommt es anders und als man denkt und zweitens, mitten in der Saisonvorbereitung und nach bereits 2 getätigten Zugängen, packt Norbert Meier seine 7 Sachen und zieht, trotz mehrerer Treueschwüre, gen Darmstadt.
Nach der Saison 2013/2014 also wieder eine schmerzhafte Erfahrung im Zusammenhang mit dem SV Darmstadt 98.
Doch in Ostwestfalen schüttelte man sich schnell, klopfte den Staub ab und richtete den Blick in die Zukunft.
Mit Rüdiger Rehm kam eines der Trainer-Talente Deutschlands nach Bielefeld, mit großen Zielen (mehr Punkte und besseren Fußball als in der Vorsaison).
Ein Königstransfer von Samir Arabi, hätten viele Arminen damals wohl in großer Euphorie gesagt, doch der der Eindruck verflog recht schnell im Laufe der Zusammenarbeit mit Rehm.
Sicherlich nun keine einfache Situation für Samir Arabi, die zuvor getätigten Pläne nun zu überarbeiten und mit Rüdiger Rehm ein neues Konzept zu entwerfen, bei Hartherz und Holota (noch unter Meier verpflichtet) war außerdem zu hoffen, dass sie auch in Rehms System passen.
Auf der Abgangsseite wurden viele Altlasten abgeworfen und Perspektivspieler ausgeliehen, soweit so gut.
Einen Abgang konnte man als Bielefelder dann aber doch nicht gänzlich nachvollziehen, den von Felix Burmeister.
Der gebürtige Würzburger (122 Spiele für den DSC) war gerade in der Schlussphase der Saison 2015/2016 ein wichtiger Bestandteil der so gut agierenden Defensive von Norbert Meier und schien sich wieder als Stammspieler zu integrieren.
Burmeister, der sowohl auf der „Sechs“ als auch in der Innenverteidigung variabel einsetzbar ist, wurde auf seiner Hauptposition vorerst von Cacutalua ersetzt, ein gewagtes Experiment von Samir Arabi.

Zugänge:

Tomasz Holota:
Als erster Transfer der Saison sollte Tomasz Holota vorgestellt werden, ein unbeschriebenes Blatt unter den Fans des ostwestfälischen Traditionsclubs, so wusste man lediglich, dass er bei einem polnischen Erstligist Stammspieler war.
Kein so schlechter Transfer, vor allem da die Arminia mit polnischen Landsmännern nicht die schlechtesten Erfahrungen gemacht hatte.
Ob es nun an Rehm lag, dass sich Holota nicht durchsetzen konnte ist fraglich, da er die ersten 4 Saisonspiele jeweils von Beginn an auflief, doch auf diese 4 Einsätze sollten nur noch 3 weitere Kurzeinsätze in der Liga folgen.
Während der 26-jährige zwischenzeitlich sogar in der 2. Mannschaft hat aushelfen müssen, sammelte er für die Profis ab dem 20. Spieltag keine Einsatzminuten mehr.
Nach einem Jahr wird das Missverständnis aufgelöst und der Katowicer geht zurück in seine Heimat.
Ob es jetzt daran lag, dass er ein Wunschspieler Meiers war oder dass er lediglich mit der deutschen Liga nicht warm wurde, sei dahingestellt, allerdings konnte er der Mannschaft nicht wirklich weiterhelfen.

Fazit: Fehlgriff

Florian Hartherz:
Vom Absteiger SC Paderborn wechselt der damals 23-jährige Florian Hartherz in die direkte Nachbarschaft nach Bielefeld.
Der gebürtige Offenbacher offenbarte am Anfang der Saison allerdings trotzdem Probleme, obwohl er die Liga bereits kannte.
So ging bei seinem Debüt für Arminia gegen den TSV 1860 München so ziemlich alles schief, was hätte schiefgehen können.
Die Quittung waren dann 5 Spiele ohne jede Einsatzminute und nicht wenige Arminen hatten den ehemaligen Bremer bereits früh in der Saison abgeschrieben.
Doch Hartherz konnte sich durch die Gelb-Rot Sperre Schuppans wieder in den Vordergrund bringen und absolvierte gegen Kaiserslautern ein passables Spiel über 90 Minuten.
Was ihn dann als Ersatz für Christopher Nöthe auf der offensiven Außenbahn qualifizierte.
Die Verletzung von Nöthe spielte Hartherz dementsprechend ähnlich in die Karten, wie die Sperre von Schuppan.
Den Platz im linken Mittelfeld sollte Hartherz dann auch bis zum Ende der Hinrunde behalten, mit 2 wichtigen Vorlagen zeigte er außerdem, dass er die offensive Position durchaus bekleiden kann.
Mit Beginn der Rückrunde und der Wiedergenesung von Christopher Nöthe musste sich Hartherz allerdings wieder mit weniger Spielzeit und einem Platz auf der Bank begnügen, so musste er wieder einmal auf eine für ihn positive Wendung hoffen.
Diese Wendung gab es, da Nöthe sich schwer verletzte und Schuppan ungewohnte Leistungsschwankungen offenbarte und so durfte Hartherz ab dem 24. Spieltag alle Spiele über die volle Distanz absolvieren, die Mehrzahl davon auf seiner angestammten Linksverteidiger Position.
So kommt Hartherz am Ende auf 25 Ligaeinsätze und 3 Vorlagen.
In den 25 Einsätzen stopfte er oft das ein oder andere Loch auf der linken Seite und zeigte eine große Variabilität.
Spielerisch gesehen gab es sicherlich noch einiges an Luft nach oben, das Potential ist aber zu erkennen.
Fraglich bleibt, ob Hartherz ohne die vielen Verletzungen und Leistungsschwankungen überhaupt noch einmal in Bielefeld hätte Fuß fassen können.

Fazit: Mitläufer

Manuel Prietl:
Ebenfalls aus einer 1. Liga kam Manuel Prietl nach Bielefeld, der gebürtige Österreicher kam vom SV Mattersburg nach Ostwestfalen.
In Ostwestfalen übernimmt Prietl von Anfang an die Position neben Tom Schütz und zeigt direkt sein Potential.
Doch die Umgewöhnung verlief auch bei Prietl nicht gänzlich reibungslos, so ging er oft zu Robust zu werke und holte sich die ein oder andere mehr als unnötige Gelbe Karte.
Sinnbildlich hierfür, die Einwechslung gegen Kaiserslautern, als Coach Rump nach 20 Minuten wegen erhöhter Gelb-Rot Gefahr diese Einwechslung wieder korrigierte und den defensiven Mittelfeldspieler wieder auswechselte.
Doch gerade unter Jeff Saibene sollte Prietl ein wichtiger Stammspieler werden und zeigte Entwicklungen in seinem Spiel.
So kommt er am Ende der Saison, trotz einer Schulterverletzung auf 20 Startelfeinsätze, die darauf hoffen lassen, dass man in Zukunft noch mehr Spaß an dem, in Deutschlandsberg geborenen, Österreicher haben wird.
Fazit: Mitläufer

Leandro Putaro:
Schwierig einzuordnen ist der Offensivmann aus Göttingen.
Mit famosen Statistiken im Jugendbereich kam er nach Bielefeld.
So erzielte er unter anderem 31 Tore in 37 A-Jugend Bundesliga-Spielen, sowie 5 Tore und 1 Vorlage in 6 Spielen in der UEFA Youth League, dem Jugend-Pendant zur Champions League.
Doch wieder einmal wurde klar, dass man den Junioren-Fußball nicht mit dem im Senioren Bereich vergleichen kann.
In seiner ersten Saison im Senioren Bereich kam die Leihe aus Wolfsburg für Arminia nur auf 15 Zweitliga Einsätze, davon 2 in der Startelf und keines über die volle Distanz.
Von einer Torbeteiligung des Jungspunds kann man, bis auf die Vorlage im Pokal gegen Essen, nicht berichten.
Immerhin erzielte er 2 Tore in 4 Spielen für die zweite Mannschaft.
Eine Bewertung des 1997 geborenen Stürmer ist insofern schwierig, da man nicht weiß, in welcher Hinsicht mit ihm geplant wurde.
Da wir hier allerdings von einer Leihe sprechen, kann ihm der Status des Perspektivspielers, aus Arminia Sicht, nicht angerechnet werden, Wunderdinge in der ersten Profi-Saison zu erwarten, wäre allerdings auch vermessen.
So hängt im Endeffekt vieles davon ab, ob eine Weiterbeschäftigung realisiert werden kann, wenn man seine Zeit bei Arminia bewerten will.
Betrachtet man allerdings nur die Saison und geht von einer Rückkehr nach Wolfsburg aus, so bleibt bei Putaro lediglich das aufblitzen von Potential und keine Hilfe für die Profis.
Fazit: Fehlgriff

Malcolm Cacutalua:
Anders ist die Leihe von Cacutalua zu bewerten, der Jungspund von Leverkusen hatte bereits eine Profisaison bei Bochum im Gepäck, in welcher er durchaus zu überzeugen wusste.
Bei Arminia, als Burmeister Ersatz verpflichtet, avancierte er dann ebenfalls schnell zum Stammspieler und bildete mit Börner eine durchaus lukrative Innenverteidigung.
Doch der in Troisdorf geborene Innenverteidiger war immer wieder für einen Lapsus gut und wirkte, vor allem in der Anfangsphase eines Spiels, oft zu schläfrig und leichtfertig.
So Absolvierte er zwar 10 Spiele in der Startaufstellung, durfte allerdings ab dem 19. Spieltag nicht mehr für die Blauen auflaufen.
Unter Trainer Jeff Saibene gab es dann sogar die zweimalige Degradierung in die 2.Mannschaft des DSC.
Da auch Cacutalua mit 22 Jahren noch enormes Entwicklungspotential aufweist und bereits jetzt ein technisch hochwertiges Spiel beherrscht, kann man nur auf eine Besserung im 2. Jahr der Ausleihe hoffen.
Für seine erste Saison bei der Arminia kann man allerdings nur ein Fazit ziehen.
Fazit: Fehlgriff

Michal Mak:
Die Entwicklung im Fall Michal Mak ist so abstrus, dass man sie kaum nachvollziehen kann und trotzdem gibt es sie bei Arminia in den letzten Jahren zu häufig.
Der gebürtige Pole bestritt bei der Arminia ein Probetraining und alle Verantwortlichen waren sich sicher, dass er die Mannschaft voranbringen kann.
So wurde er kurz vor Transferschluss verpflichtet und bestritt gleich in seinem 2. Spiel für die Arminia eine Halbzeit, in welcher er sich leider verletzte.
Was dann geschehen ist, wissen wohl nur die Beteiligten, denn auf die 42 Spielminuten kamen keine weiteren, weder für die 1. noch für die 2. Mannschaft der Blauen.
Im Winter ging es für den Polen dann wieder zurück in die Heimat und zurück geblieben sind viele Fragezeichen für die Fans, über diesen Transfer, sowie 42 Minuten und eine Gelbe Karte gegen Hannover für Michal Mak.

Fazit: Fehlgriff

Wintertransfers:

Im Winter verpflichtete Samir Arabi, aufgrund der akuten Tabellensituation, noch einmal 2 Spieler.
Mit Reinhold Yabo und Sören Brandy kamen 2 Offensivakteure.
Beide Spieler fielen in der näheren Vergangenheit eher durch Verletzungen, als durch gute Leistungen auf.
Doch beide Spieler besitzen ebenfalls nachweislich eine enorme Qualität.
Dementsprechend erneut gewagte Transfers von Samir Arabi.
Und hätten nach dem 26.Spieltag sicherlich viele unterschrieben, dass beide Wintertransfers gefloppt sind, so sollte zumindest Yabo noch einmal aufdrehen.
Zwischenzeitlich wegen einer Disziplinlosigkeit gegen Kaiserlautern suspendiert, begnadigt Jeff Saibene den Offensiv-Virtuosen und wird belohnt.
Agierte der 25-Jährige am Anfang seiner Leihe noch zu teilnahmslos für den Abstiegskampf, so steuerte er, unter Jeff Saibene, starke 6 Torbeteiligungen in 7 Spielen zum Nicht-Abstieg bei.
Sören Brandy hingegen blieb auch in Bielefeld vom Verletzungspech nicht verschont, so reichte es für den Verler nur für Kurzeinsätze, in welchen er nicht zu überzeugen wusste.
Ärgerlich ist in dieser Hinsicht natürlich, dass ein Yabo nun nach Salzburg zurückkehrt, während Sören Brandy ein weiteres Jahr Vertrag besitzt.
Hier kann man nur auf eine Verletzungsfreie Vorbereitung hoffen, damit Sören Brandy seinen Status als „Fehlgriff“ noch korrigieren kann.
Natürlich muss man im Zuge der Wintertransfers noch einmal auf die Trainersuche eingehen.
Nachdem das Experiment mit Rüdiger Rehm völlig danebenging, verpflichtete man mit Jürgen Kramny einen eher unerfahrenen Trainer.
Gleichzeitig stattete man diesen mit einer Vertragsverlängerungs-Option bei Nichtabstieg, sowie einer Nichtabstiegsprämie aus.
Der Fakt, dass der Nichtabstieg von Jeff Saibene bewältigt wurde und trotzdem Jürgen Kramny daran mitverdient sollte zumindest kritisch hinterfragt werden.
Mit dem „Transfer“ von Jeff Saibene hatte Samir Arabi einen letzten Schuss frei, der sitzen musste.
Und bewies hier erneut, dass er durchaus einen guten Riecher für Transfers hat.

Fazit:

Resümiert man nun die gesamte Saison aus Sicht von Samir Arabi, so kann man 4 Fehlgriffe, sowie 2 Mitläufer bilanzieren.
Hinzu kommen 2 Trainerentlassungen, welche ein enormes Loch ins Budget der Ostwestfalen rissen, sowie die gewagten Verpflichtungen von Sören Brandy, als auch von Cacutalua als Burmeister-Ersatz.
Als Lichtblicke der Saison sollten im Nachhinein Reinhold Yabo und Jeff Saibene dienen, welche eine Rabenschwarze Transfersaison von Samir Arabi aufhübschen.
Insgesamt ist Arminia in dieser Saison mit einem blauen Auge und mehreren gebrochenen Rippen davon gekommen, weswegen man Samir Arabi noch ein „Mangelhaft“ attestieren kann, bei einem Abstieg wäre man, in Samir Arabis schlechtester Saison, wohl nicht um ein „Ungenügend“ herum gekommen.

Bildrechte: @Tag24

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