Transferanalyse Part 5 (2015/2016)

Veröffentlicht am Veröffentlicht in Samir Arabi – Heilsbringer oder Hindernis

Saison 2015/2016:

Abgänge:

Auch die Saison 2015/2016 begann in einem neuen Liga Umfeld, die Umgewöhnung sollte nach dem direkten Wiederaufstieg allerdings leicht fallen, war Arminia nun schließlich erneut ein Mitglied der 2.Bundesliga.
Als Aufsteiger hat man oft die Probleme, dass erfolgreiche Spieler der Vorsaison weggekauft werden und ein Kader nicht selten auseinander bricht, ergo hatte Samir Arabi einerseits wieder die Aufgabe etliche Spieler zu halten und andererseits den Kader in Hinblick auf die 2.Liga zu verstärken.
Blicken wir zunächst auf die Abgänge.
Mit Bashkim Renneke, Jerome Propheter und Jarno Peters verließen zunächst 3 Perspektivspieler den Verein, ähnlich wie bei Pascal Schmidt in der Saison zuvor haben Samir Arabi und Norbert Meier auch hier einen guten Riecher bewiesen, keiner der Spieler entwickelte sich in der Folgezeit so stark, dass der Abgang bereut wurde.
Bei Marc Lorenz und Pascal Testroet hingegen wurde entschieden, dass die Qualität für die 2.Liga nicht reicht, Wehen Wiesbaden bzw. Dynamo Dresden bedankten sich.
Während man bei Marc Lorenz vermutlich alles richtig gemacht hat, kann man bei Pascal Testroet zumindest darüber streiten, der ehemalige Bremer Youngster (35 Torbeteiligungen in 28 A-Jugend Bundesliga Spielen) verbuchte für Dynamo Dresden in der zurückliegenden 2.Liga Saison immerhin 7 Torbeteiligungen in 23 Spielen.
So hätte man den Aufstiegshelden der vorherigen Saison sicherlich einen Platz als Back-Up von Fabian Klos zugestehen können, als Fehler kann man den Abgang allerdings auch nicht bezeichnen.
Der einzige Schlüsselspieler der Vorsaison, den man abgeben musste, war Alexander Schwolow, der im Zuge seiner Leihe und des Freiburger Abstieges in die 2.Liga den wechselwilligen Bürki als Nummer 1 im Breisgau ersetzte.
Samir Arabi ist es gelungen, bis auf Alexander Schwolow, den kompletten Drittliga Stammkader zu halten und hatte im Zuge dessen die Aufgabe, diesen Kader Zweitliga tauglich zu verstärken.

Zugänge:

Hatte man also die Hälfte der Miete bereits bezahlt, gucken wir nun inwieweit die andere Hälfte zufriedenstellend beglichen wurde.

Brian Behrendt:
Bei Brian Behrendt rieben sich einige Arminen-Fans verwundert die Augen, für kolportierte 300.000€ Ablöse soll Samir Arabi den Wechsel von Rapid Wien (höchste Spielklasse Österreichs) nach Bielefeld in die 2 Liga realisiert haben.
Behrendt, in der Jugend trug er das Trikot des Hamburger SV, tauschte also den internationalen Wettbewerb gegen den Abstiegskampf der 2. Bundesliga.
Der damals 23-jährige Behrendt war vielen Fans, trotz seiner 10 Einsätze in der Europa League, ein unbekannter.
Aufgrund der Ablösesumme, welche für Arminia eher untypisch hoch ausfiel, sowie der internationalen Erfahrung, erhofften sich viele Arminen allerdings von Anfang an eine Verstärkung.
Diese erhoffte Verstärkung wurde Behrendt dann auch schnell, trotz mäßigem Saisonstart, mit der Gelb-Roten Karte gegen Duisburg, welche ein Verspielen des 2:0 Vorsprungs (2:2 Endstand) begünstigte, avancierte Behrendt spätestens ab dem 5. Spieltag der Saison zum absoluten Stammspieler und war nicht mehr aus der Elf wegzudenken.
Der schuss gewaltige, in Bremervörde geborene Behrendt konnte diesen Stammplatz auch in seiner 2. Saison unter den Trainern Rehm, Kramny, Rump und Saibene behalten, was unter anderem an seiner Flexibilität liegt, Behrendt ist sowohl als Innenverteidiger als auch als „Sechser“ einsetzbar.
Insgesamt kommt er in 2 Jahren Bielefeld auf 57 von möglichen 68 2.Liga Einsätze.
Betrachtet man nun die Tatsache, dass Behrendt in Bielefeld bereits 5 verschiedene Trainer hatte, ist diese Statistik noch beeindruckender.

Fazit: Verstärkung

Christopher Nöthe:
Christopher Nöthe kam ursprünglich als Konkurrent für Fabian Klos und sollte dementsprechend in vorderster Front eingesetzt werden.
Der gelernte Stürmer (46 Tore in 150 Zweitliga Einsätzen für Pauli und Fürth) sollte allerdings, wie viele andere, schnell merken, dass an Fabian Klos kein Vorbeikommen ist.
Norbert Meier sah in ihm allerdings Potenzial und funktionierte ihn zum Flügelspieler um, sodass Nöthe seit dem 3.Spieltag und seinem Tor gegen den MSV Duisburg einen Stammplatz auf Linksaußen ergatterte, trotz gelernter Flügelspieler wie Dennis Mast.
Gerade in der 2.Saisonhälfte trumpfte Christopher Nöthe dann auf, 10 seiner insgesamt 13 Torbeteiligungen konnten die Arminen in der Rückrunde bestaunen.
Diese starke Rückrunde bescherte Nöthe dann auch direkt eine Vertragsverlängerung im Sommer 2016, der neue Kontrakt läuft nun bis 2019.
Leider erwies sich die Saison 2016/2017 als Alptraum für den frisch gebackenen Linksaußen, zunächst setzte ihn eine Schulterverletzung lange ausser Gefecht, ehe ein Kreuzbandriss die Saison von Christopher Nöthe bereits vor dem 28. Spieltag für beendet erklärte.
Unter dem Strich stehen trotzdem 16 Saisoneinsätze, bei lediglich 3 Torbeteiligungen.
Nach mehreren liegengelassenen Hochkarätern, beispielsweise gegen Frankfurt im Pokal, sowie gegen Aue fiel Nöthe bei den Fans in Ungnade und wurde vereinzelt ausgepfiffen, sichtlich erbost darüber, ließ er seinen Frust vor laufenden Mikros gegenüber Radio Bielefeld freien Lauf.
Viele Fans bemängeln bei Nöthe die Körpersprache, des weiteren vermisst man beim heute 29-jährigen zunehmend die Konstanz.
Wenn Nöthe nicht durch Tore oder Vorlagen aufgefallen ist, wirkte es oft so, als hätte er keine Bindung zum Spiel.
Als Stürmer kann man es sich erlauben, in einem Spiel 85 Minuten nicht aufzufallen und dann zu treffen, als Außenspieler hingegen muss man gezwungenermaßen 90 Minuten präsent sein.
Schlussendlich kann man nur hoffen, dass Nöthe in seinem 3.Jahr als Armine von schwereren Verletzungen verschont bleibt und so an seine erste Saison anknüpfen kann.

Fazit: Mitläufer

Steffen Lang:
Vergleiche hierzu unseren Artikel zu „Auslaufende Verträge“.

Fazit: Fehlgriff

Björn Jopek:
Auch Björn Jopek startete bei vielen Arminia Fans mit vielen Vorschusslorbeeren in die neue Saison, galt er schließlich als großes Talent.
Mit 19 Jahren debütierte der gebürtige Berliner für Union Berlin in der 2. Bundesliga und absolvierte in der Folge starke 56 Zweitliga Partien für den Hauptstadtclub.
Leider hatte der zentrale Mittelfeldspieler immer wieder mit Verletzungen zu kämpfen, was eine Verpflichtung für Arminia vermutlich erst realisierbar werden ließ.
Allerdings begleitete ihn das Verletzungspech auch nach Ostwestfalen, wo er in Folge einer Sprunggelenksverletzung nur auf 4 Einsätze, respektive 164 Profi Minuten kam.
Die Rückserie verbrachte Jopek dann überwiegend bei den Amateuren, woraufhin er im Sommer den Wechsel in die 3. Liga forcierte.
Zweifelsohne ist Jopek ein Spieler mit Riesenpotenzial, wenn er denn mal von Verletzungen verschont bleibt, dies zeigte er in der abgelaufenen Saison bei Chemnitz.

Fazit: Fehlgriff

Wolfgang Hesl:
Um Wolfgang Hesl zu bewerten, muss man zweifelsohne lange diskutieren.
2015 von Fürth gekommen, stellte sich Hesl dem Zweikampf mit Daniel Davari und setzte sich als Nummer 1 der Arminen durch.
In seiner ersten Saison in Ostwestfalen bestritt der Torhüter dann auch gleich 33 Spiele und hielt seinen Kasten dabei starke 8 mal sauber.
Sein Anteil an der starken Defensive der Arminen (nur 39 Gegentore) kann nicht groß genug eingeschätzt werden.
Des Weiteren muss seine Rolle als Führungsspieler und erfahrener Mann eingerechnet werden.
Trotzdem erwischte Wolfgang Hesl eine Rabenschwarze Saison 2016/2017 und revidierte den guten Eindruck der ersten Saison ein wenig ins Negative.
So gab es in 26 Spielen mit Wolfgang Hesl zwischen den Pfosten unglaubliche 44 Gegentore, damit 5 mehr als in der gesamten abgelaufenen Saison.
Diesen Fakt nur an Wolfgang Hesl festzumachen wäre falsch, da die gesamte Defensive bzw. Mannschaft defensiv deutlich anfälliger schien als noch in vorangegangenen Saison.
Doch die klaren Defizite in der Strafraumbeherrschung wurden schonungslos aufgedeckt.
So muss man sagen, dass die schlechte Saison 2016/2017 auch durch die teils eklatanten Fehler des Schlussmannes, welcher zwischenzeitlich ins 2. Glied rückte, erklärt werden kann.
Trotzdem muss man auch die vielen Spiele sehen, in denen Hesl mit seinen überragenden Reflexen auf der Linie Punkte gerettet hat, betrachtet man dazu noch seine erste Saison, kann es nur ein Fazit geben.
Vergleiche hierfür „Auslaufende Verträge“.

Fazit: Verstärkung

Daniel Davari:
Auch bei Daniel Davari wurde im Thema „Auslaufende Verträge“ schon vieles gesagt, trotzdem wollen wir hier nochmal auf den Transfer im speziellen eingehen.
2015 aus der Schweiz nach Bielefeld gekommen, hatte Davari sicherlich die Ambitionen auf einen Stammplatz bei der Arminia.
Mit Hesl wurde allerdings ein weiterer Topmann verpflichtet, gegen den sich Davari zunächst nicht durchsetzen konnte.
So absolvierte er die erste Saison als 2. Mann und musste lange auf seine Chance warten.
Diese sollte er dann widererwarten doch erhalten, was folgte, wissen wir alle.
Trotz der Entwicklung in der Causa Davari muss man Samir Arabi dafür loben, dass er zwei Torhüter von solch einem Format zur Arminia locken konnte, ohne einen von ihnen den Stammplatz garantieren zu können.
Des Weiteren darf man natürlich nicht den Aspekt vernachlässigen, dass Wolfgang Hesl sicherlich auch durch den Konkurrenzkampf mit Daniel Davari eine so starke erste Saison hingelegt hat.

Fazit: Mitläufer

Samir Benamar:
Der Namensvetter von Samir Arabi kam zur Saison 2015/2016 aus Koblenz und wurde sicherlich eher als Perspektivspieler verpflichtet.
Nach 9 Einsätzen für die Amateure der Arminen (keine Spielminute für die erste Mannschaft) ging es nach nur einem halben Jahr leihweise in die 3. Liga zu Erfurt.
Bei Arminia sah man auch nach der Leihe keine Verwendung für den Marokkaner und gab ihn nur eine Saison nach der Verpflichtung fest nach Erfurt ab.

Fazit: Fehlgriff

Michael Görlitz:
Klangvoller Name in Bielefeld! Der Namensvetter von Andreas Görlitz (ehemaliger Bayern München Spieler) kommt 2015 vom FC St. Pauli auf die Alm.
Vor seinem Namensvetter braucht sich Michael Görlitz allerdings vor allem in der Jugend nicht verstecken, so spielte auch er bei den Bayern und durchlief sämtliche U-Nationalmannschaften Deutschlands.
Im Seniorenbereich sollte die Karriere des Michael Görlitz allerdings einen kleinen Knick erleiden, so spielte er den Großteil davon nicht etwa bei Bayern München, sondern in Schweden bei Halmstads BK.
In der Saison vor seinem Wechsel zur Arminia schaffte er es zudem nur auf 12 2.Liga Einsätze für St. Pauli, in welchen ihm 1 Vorlage gelang.
Dementsprechend geteilt waren die Meinungen zur Verpflichtung des Flügelspielers in Ostwestfalen.
In seiner ersten Saison wechselten sich Licht und Schatten quasi von Spiel zu Spiel ab, so erkannte man durchaus das Potenzial, allerdings ließ Görlitz die Konstanz vermissen.
Im ersten Jahr kam er auf 23 Einsätze, in welchen er 4 Scorerpunkte sammelte.
Seine 3 Tore erzielte Görlitz allesamt mit großer technischer Finesse von außerhalb des Strafraums, Momente in denen man erinnert wurde, dass dieser Görlitz bei Bayern München ausgebildet wurde.
Solche Momente ließ der gebürtige Nürnberger in seiner 2. Saison leider nicht mehr folgen, zunehmend defensiver eingesetzt, zeigte er allerdings seine Stärken in anderen Situationen und schien sich einen Stammplatz in der Viererkette erkämpft zu haben.
Doch aufgrund der fast vergessenen Unkonstanz in Verbindung mit Verletzungsproblemen verlor er seinen Stammplatz, unter Neu-Trainer Saibene, an Florian Dick.
So kommt Michael Görlitz in seinem zweiten Jahr für Schwarz Weiss Blau erneut nur auf 23 Zweitligaeinsätze

Fazit: Mitläufer

Dennis Mast:
Dennis Mast wurde nachdem er ausgeliehen wurde, zur Saison 2015/2016 fest verpflichtet. Mehr hierzu in unserem Artikel „Transferanalyse Saison 2014/2015“
Fazit: –

Amin Affane:
Der Spielmacher aus Schweden kam vor der Saison vom VfL Wolfsburg II, für welchen er in 22 Regionalligaspielen beachtliche 20 Scorerpunkte sammelte, zur Arminia.
Als Spieler, der bereits für die Reserve vom FC Chelsea gespielt hat, wird man in Bielefeld für gewöhnlich euphorisch empfangen. Zu euphorisch?
Zweifelsohne ließ der damals 21 Jährige ein unglaubliches Potenzial erkennen und hätte Arminia durchaus helfen können, allerdings verließ Norbert Meier schnell die Geduld mit dem Virtuosen, und so stoppte die Einsatzuhr von Affane, welcher im Winter aufgrund von Heimweh nach Schwedern wechselte, bei nur 8 Profi Einsätzen ohne Torbeteiligung.

Fazit: Fehlgriff

Wintertransfers:
In der Winterpause versuchte Arminia noch einmal die Offensive zu beleben und reagierte auf die Abgänge von Affane und Christian Müller, sowie auf die Umschulung von Nöthe vom Stürmer zum Außenspieler.
Gerade der Abgang von Christian Müller trägt bis heute einen faden Beigeschmack, der Publikumsliebling weigerte sich, aufgrund der damaligen Sicherheitslage, am Trainingslager in der Türkei teilzunehmen und wurde dann ohne sportliche Gründe nach Ungarn transferiert.
In der Hinrunde absolvierte Müller noch 8 Partien für die Arminen, trotz einer Verletzung, welche ihn 10 Spieltage lang außer Gefecht setzte und war somit zumindest immer, wenn es ihm möglich war im Dunstkreis der ersten Elf.
Christian Müller kritisierte die Vorgehensweise der Arminia Offiziellen in Folge des Wechsels, ein Makel der Ära Arabi.
Als Zugänge kamen Francisco Rodriguez und Seung-Woo Ryu (beide ausgeliehen), sowie Andreas Voglsammer.
Rodriguez (9 Einsätze) kam ebenfalls vom VfL Wolfsburg und machte eine ähnliche Entwicklung wie Affane bei Arminia durch.
Zeigte auch er am Anfang seiner Arminia-Vita ein überragendes Potential als Spielmacher, baute er zunehmend ab und konnte die Mannschaft nicht in der Weise voranbringen, in welcher man es sich von einem Wintertransfer erwünscht.
Gleiches gilt für Ryu (10 Einsätze), beide Offensivspieler brachten es auf lediglich eine Vorlage und keinen Stammplatz.
So kann man die beiden sicherlich als gewagte Wintertransfers einstufen, welche nicht über den Status des Mitläufers hinauskamen.
Der dritte im Bunde, Andreas Voglsammer, kam in seinen 9 Rückrunden Einsätzen ebenfalls nicht über die Joker Rolle hinaus und konnte zudem keine Torbeteiligung vorweisen.
Der Stürmer, welcher von Heidenheim nach Bielefeld gewechselt war, kam mit 0 Toren und 2 Vorlagen in 24 Zweitliga Spielen im Gepäck und konnte der Mannschaft nicht direkt helfen, füllte aber zumindest die vakante Position hinter Fabian Klos. In der Saison 2016/2017 entwickelte sich Andreas Voglsammer allerdings in gewünschter Form.

Gesamtfazit:
In der Transferphase 2015/2016 konnte Arabi seine starke Vorsaison nicht wiederholen.
Zwar schaffte er es, den Drittliga-Aufstiegskader im Großen und Ganzen zusammen zu halten, allerdings diesen nicht wirklich signifikant zu verstärken, so verpflichtete er nur 2 wirkliche Verstärkungen.
Dem gegenüber stehen 4 Fehlgriffe, so scheiterten alle von Samir Arabi zur Saison 2015/16 verpflichteten Perspektivspieler früher oder später in Bielefeld.
Zieht man dann noch den fragwürdigen Umgang mit Christian Müller in seinen Aufgabenbereich hinein, kommt man für die Saison 2015/2016 auf ein “Ausreichend” für unseren Sportlichen Leiter, da der Kader, zumindest in der Saison, für die 2. Liga ausreichte.

Bildrechte: ©Tag24

 

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