SV Sandhausen

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Klein aber fein…

Der SV Sandhausen scheint „unkaputtbar“ zu sein.
Schon seit 6 Jahren hält sich der kleine Verein, aus der Provinz bei Heidelberg, in der zweiten Liga.
Da
s alles, trotz sehr limitierter Mittel, überschaubarer Anziehungskraft und dem Faktum, für viele Spieler nur ein Sprungbrett in höhere Gefilde zu sein.
Im Jahr 2013 schien es so, als müsse der SV den Gang in die Drittklassigkeit antreten, da man sportlich abgestiegen war.
Aufgrund der nicht erteilten Lizenz an den MSV Duisburg, seitens des Deutschen Fußball-Bundes, durften die Sandhäuser dann aber doch in der Liga bleiben.
Kurz vor Beginn der letzten Saison dann eine Hiobsbotschaft, vergleichbar mit dem Szenario, welches sich auch in Bielefeld abspielte. Trainer Alois Schwartz verließ den Verein, trotz eines wenige Wochen zuvor gegebenen Treuebekenntnis  und einem nach seinen Vorstellungen zusammengestellten Kader, Richtung Nürnberg.
Der Club stand somit zu Beginn der Saisonvorbereitung ohne Trainer da, ehe dann der junge Kenan Kocak das Ruder übernahm.
Dieser war zuvor mit Waldhof Mannheim Meister geworden.
Seine Verpflichtung kann man als vollen Erfolg verbuchen, denn die Kurpfälzer legten eine starke Hinrunde mit 28 Punkten hin.
Es folgte eine etwas schwächere Rückrunde, sodass man sich gegen Ende der Saison nochmal kurz im Dunst der Abstiegskandidaten wiederfand, letzten Endes aber souverän auf Platz zehn eintrudelte.
Ein Ergebnis, mit dem wohl alle beim SV zufrieden sein dürften.
Die Handschrift des neuen Trainers war deutlich zu erkennen.
„Aktiv, offensiv und Ballbesitzorientiert“, lautet seine Spielphilosophie und so will er auch die neue Saison angehen, wie er in einem Interview mit der Rhein-Neckar-Zeitung verlauten ließ.
Nichts desto trotz, wird Sandhausen auch vor dieser Saison von vielen wohl als einer der größten Abstiegskandidaten gehandelt.
Für den kleinen Verein nichts neues.
Werfen wir einen Blick darauf, was beim SV in dieser Saisonvorbereitung positiv lief.

 

Erfreut dürften die Sandhausen Fans verfolgt haben, dass die Kaderplanung für die neue Spielzeit schon recht früh abgeschlossen war.
Sicherlich wird hier und dort noch an ein paar Stellschrauben gedreht, doch das Grundgerüst stand schon relativ früh fest, sodass Trainer Kocak genug Zeit hatte die neuen Spieler zu integrieren und seine Spielidee weiter zu verfestigen.
Dass so früh Planungssicherheit herrschte ist nicht nur allein der Aktivität auf dem Transfermarkt zu verdanken, sondern ebenso der Tatsache, dass der Großteil der Stammspieler gehalten werden konnte.
Schon ein kleines Novum, für den eher als Ausbildungsverein bekannten Club. Lediglich der Abgang des offensiven Mittelfeldakteurs Thomas Pledl zum Bundesligaabsteiger Ingolstadt, von welchem er ausgeliehen war, dürfte wirklich schmerzhaft wirken.
Der 23-Jährige hatte mit vier Toren und sieben Vorlagen gehörigen Anteil an den Erfolgen der letzten Saison.
Erwähnenswert des weiteren der Abgang von Abwehrspieler Daniel Gordon, dem allerdings auch keine Steine in den Weg gelegt wurden.
Generell wurde versucht den leicht aufgeblähten Kader etwas zu entschlacken und Bankdrücker als auch Dauerverletzte wie Jakub Kosecki oder Moritz Kuhn loszuwerden.
Der Ex-Münsteraner Eric Zenga, stand aufgrund ständiger Verletzungen ebenfalls auf der Abschussliste.
Mittlerweile hat sich Kocak aber wohl dazu entschlossen den Deutsch-Russen wieder aufzubauen und in den Kader einzubinden.
Wenn Zenga fit ist, sicherlich ein Spieler mit Potential.

 

Potential haben auch die Spieler die der SV in die beschauliche Kleinstadt lotsen konnte.
Der Linksaußen Robert Hermann, von Wolfsburg II gekommen, gilt als großes Talent und war schon nah dran am Profi-Kader des VfL.
In den letzten anderthalb Regionalligapielzeiten bereitete der quirlige Dribbler satte 38 Tore vor.
Zudem wagte Marcel Seegart den geographischen Katzensprung von Mannheim in die Kurpfalz, um endlich in der zweiten Liga zu spielen.
Der junge Abwehrchef der Waldhöfer wird Gordon ersetzen.
Ebenso konnte Mirco Born vom SV Meppen verpflichtet werden, welcher vergangene Saison mit  34 Scorerpunkten eine Institution bei den Niedersachsen war.
Auch in Rostock dürften sie nicht in Jubelorgien ausgebrochen sein, als feststand, dass Stammtorwart Marcel Schuhen sich in Zukunft das Trikot der Sandhäuser überstreifen wird.
Der 24 Jährige galt als solider Rückhalt und wird nun wohl die Nummer eins in der Kurpfalz.
Insgesamt hat Sandhausen 9 Zugänge getätigt, mit einem Durchschnittsalter von 23,3 Jahren.
Dem gegenüber stehen 8 Abgänge, mit einem Durchschnittsalter von 26 Jahren. Man kann also auch von einer kleinen Verjüngung des Teams sprechen.
Kenan Kocak ist bekannt dafür junge Spieler zu entwickeln und ihnen den letzten Feinschliff zu geben.
Einige Spieler sollen den Verein wohl noch verlassen um das Kadervolumen zu reduzieren und um die Möglichkeit zu haben noch Transfers tätigen zu können.

 

Letzteres wird vermutlich noch geschehen, denn so vielversprechend einige Talente aus der Regionalliga auch sind, es gibt ein Problem.
Sie sind verletzt.
Robert Hermann sowie Mirco Bern werden in der Hinrunde wohl kaum noch Spielzeit erlangen können, beide hat es in der Vorbereitung schwer erwischt.
Ein weiteres Phänomen, was die Sandhäuser schon länger begleitet.

 

Eine weitere Sache bereitet dem ein oder anderen Fan sicherlich ebenfalls Bauschmerzen.
Sandhausen hat zwar neun Neuzugänge getätigt, allerdings hat nur einer davon wirkliche Zweitligaerfahrung.
Es ist ein schmaler Grat, den die Schwarz-Weißen hier gehen, allerdings bleibt ihnen auch nicht wirklich etwas anderes übrig.
Um einen gestanden Zweitligaspieler zu verpflichten, mangelt es nicht nur an der Attraktivität des Vereins sondern ebenso an dem nötigen Kleingeld.
Die gewählte Alternative bleibt dann zumeist jungen Spielern die ersten Schritte in Deutschlands 2.Profiliga zu ermöglichen.
Hier können sie sich relativ behütet und ohne den großen Druck der Presse entwickeln.
Das kann gut gehen, kann aber auch nach hinten losgehen.

 

Chefcoach Kocak ließ ebenfalls mitteilen, dass er gerne noch den ein oder anderen Spieler mit Zweitligaerfahrung gehabt hätte, doch auch er weiß von den schwierigen Begleitumständen des SV.

Sandhausen ist vielleicht der Inbegriff dafür, dass man als kleiner Verein mit bescheiden finanziellen Mitteln doch einiges erreichen kann, so liegen in dieser Saison auch gleich 4 Vereine, der 2.Bundesliga, in der “Transfermarkt.de-Marktwerttabelle” hinter ihnen.

 

In den Testspielen konnten die Sandhäuser durchweg überzeugen und landeten den ein oder anderen Überraschungssieg.
Bayer Leverkusen, FC Luzern, Huddersfield Town sowie der SC Freiburg wurden geschlagen.
Insgesamt gab es keine Niederlage und Kodak schien zufrieden.
Das gute Testspielergebnisse nicht in Korrelation mit einem guten Saisonstart stehen, weiß man aber wohl gerade in Bielefeld besonders gut.

 

Was bleibt nun also? Es ist schwer ein Fazit zu ziehen.
Die Vorzeichen sind gewissermaßen besser als letzte Saison.
Stammspieler konnten gehalten werden, die Vorbereitung verlief ruhig und erfolgreich, der Trainer hat eine klare Philosophie und in seiner bisherigen Laufbahn erfolgreich gearbeitet.
Das Grundgerüst des Kaders stand schnell fest, die Neuzugänge konnten akklimatisiert werden.
Jene sind jedoch teilweise verletzt und haben ihr Können größtenteils bisher nur zwei Klassen tiefer unter Beweis stellen können.
Wird Sandhausen weiterhin vom Verletzungspech heimgesucht, könnte es eng werden, denn der relativ große Kader ist in der Breite qualitativ nicht ausreichend gut besetzt.

 

Sandhausen ist bestimmt nicht Abstiegskandidat Nummer eins oder zwei, aber eine sorgenfreie Saison, wie sie Kocak als Ziel herausgegeben hat, wird wohl auch nicht möglich sein.
Dafür hat die Konkurrenz zu stark aufgerüstet.
Wir sehen Sandhausen im unteren Mittelfeld mit Tendenz zu der Abstiegsregion. Aber diese Einschätzung sind sie ja gewohnt und sie stört sie nicht.

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