SV Darmstadt 98

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Ohne jeden Zwang…

Ziemlich rasant ging es beim SV Darmstadt in den letzten Jahren zu.
Im Jahr 2011 gelang den Lilien der Aufstieg in die 3.Liga und im Jahre 2014 über die denkwürdige Relegation gegen Bielefeld, der Sprung ins Bundesliga Unterhaus.
Dort hielt man sich allerdings nicht lange auf und stieg völlig unerwartet nach einer Spielzeit in die 1.Liga auf.
Wohl mit eine der größten Sensationen im deutschen Fußball in den letzten Jahrzehnten.
Entgegen aller Erwartungen schafften die Hessen den Klassenerhalt in ihrer ersten Bundesligasaison seit 1982.
Die Spielweise mag dem ein oder anderen Gegner oder neutralem Zuschauer sauer aufgestoßen sein, doch der Zweck heiligt ja bekanntlich alle Mittel.
Vergangene Saison, stieg man dann allerdings relativ sang- und klanglos ab.
Das letzten Endes noch 25 Punkte auf der Habenseite standen, ist einem kleinen Hoch zum Ende der Saison hin zu verdanken, wo man ohne Druck befreit aufspielen konnte und noch den einen oder anderen Sieg einfahren konnte.
Ex-Nationalspieler Thorsten Frings, welcher zur Rückrunde hin den Trainerposten übernahm, machte seine Sache gut und hat sicherlich mit den größten Anteil an der zum Ende hin verbesserten Mannschaft.
Fast hätten die Darmstädter noch ein kleines Andenken aus ihrer Bundesligasaison mitgenommen, nämlich einen Eintrag in die Geschichtsbücher als schlechteste Auswärtsmannschaft aller Zeiten.
Diesem entging man aber durch den ersten und einzigen Sieg in der Fremde, am 30.Spieltag beim HSV.

Wie nach einem Abstieg üblich, brach ein großer Teil des Kaders weg und der Lizenzspieleretat musste um etwa die Hälfte gesenkt werden.
Mit Jérôme Gondorf (Bremen), Marcel Heller (Augsburg), Mario Vrancic (Norwich City) oder Michael Esser (Hannover), verließen einige Stammspieler den Verein.
Zudem endete die Leihe von Spielern wie Sidney Sam oder Antonio Colak.
Bei Sturmtalent Felix Platte von Schalke 04, wird wohl noch versucht sich auf ein weiteres Jahr Leihe zu einigen, die Chancen stehen allerdings eher schlecht.
Alles in allem hatten die Südhessen 19 Abgänge zu verkraften, die aber immerhin knapp 4 Millionen Euro in die Kasse spülten.

Man könnte sagen die Darmstädter haben Glück gehabt, in der letzten Saison so chancenlos gewesen zu sein. So stand relativ früh fest, dass es wieder eine Etage tiefer gehen wird.
Die Verantwortlichen hatten Planungssicherheit und konnten in Ruhe an der Kaderzusammenstellung arbeiten.
In einem Interview mit der Seite „Echo Online.de“, betont Präsident Rüdiger Fritsch, dass man sehr zufrieden mit der neuen Mannschaft sei, da so gut wie jeder Wunschspieler letztendlich auch verpflichtet werden konnte.  

Der prominenteste Neuzugang ist ohne Frage der Weltmeister Kevin Großkreutz.
Aber auch weitere bekannte Namen befinden sich unter Darmstadts Zuwachs.
Stürmer Artur Sobiech von Hannover 96 sowie Mittelfeldspieler Tobias Kempe vom 1.FC Nürnberg, dürften der Mehrheit ebenfalls ein Begriff sein.
Der Rückkehrer Kempe schoss Darmstadt 2015 mit seinem Freistoßtreffer in die Bundesliga.
Des weiteren konnte Julian von Haacke vom NEC Nijmegen für 200 000 Euro losgelöst werden.
Für die Besetzung der Stürmerposition  hat der Trainer nun die Qual der Wahl zwischen Terrence Boyd, den Neuzugängen Sobiech und Jamie MacLaren (Brisbane) sowie eventuell noch Felix Platte.

Bemerkenswert zudem, dass fünf Nachwuchsspieler in den Profi Kader hochgezogen wurden.
Thorsten Frings setzt im Gegensatz zu seinen Vorgängern Norbert Meier und Dirk Schuster auch auf die Jugend und ermöglicht ihnen Spielpraxis.
Vielleicht wird das ja der neue „Darmstädter-Weg“.

Verträge mit wichtigen Spielern wie Jan Rosenthal oder dem Kapitän und Anführer Aytac Sulu konnten verlängert werden.
Nach langen Verhandlungen konnte in den letzten Tagen dann zusätzlich bekannt gegeben werden, dass Publikumsliebling Hamid Altintop den Hessen ebenfalls erhalten bleibt, was die eh schon vorhandene Vorfreude der Fans auf die neue Saison in Euphorie umschlagen ließ.
Hiermit ist ein echter Coup gelungen, denn trotz seiner 34 Jahre, ist Altintop immer noch in der Lage ein Spiel zu leiten.

Von den acht Testspielen konnten sieben gewonnen werden.
Namenhafte Gegner waren allerdings nicht dabei.
Zur Saisoneröffnung spielte man dann gegen den FC Fulham und trennte sich mit 2:2.
Die Lilien wussten in diesem Spiel durchaus zu überzeugen.

Darmstadt scheint sich vom  Abstieg gut erholt zu haben und der Umbruch ist gelungen.
Trotzdem werden die Hessen in Expertenkreisen nicht unbedingt zu dem engeren Favoritenkreis um den Aufstieg gezählt.
Der „Transfermarkt.de-Marktwert“ des Kaders ist tatsächlich geringer als der von den vermeintlichen Favoriten wie Braunschweig, Ingolstadt, Union und Co.
Doch eine Mannschaft mit der Achse Sulu-Niemeyer-Altintop-Großkreutz-Rosenthal-Sobiech, muss sich zumindest vor niemandem verstecken. Trainer Thorsten Frings hat frischen Wind gebracht.
Unter ihm hat das Team auch in der vergangenen Rückrunde phasenweise bewiesen, dass es nicht nur aus Betonrührern, Kloppern und Holzfüssen besteht, sondern auch richtig gut Fußball spielen kann.
Man erinner sich an den hochverdienten Sieg über Borussia Dortmund.
Jetzt hatte er eine volle Vorbereitung Zeit an weiteren Stellschrauben zu drehen.

In Darmstadt macht man sich keinen Druck.
Das Wort Aufstieg, wird maximal in Fankreisen mal in den Mund genommen.
Präsident Fritsch spricht von einer „Aufbauphase“.
Alles kann, nichts muss.

Wir denken, dass die Hessen eine gute Rolle spielen werden.
Sie haben sich gut verstärkt, einige wichtige Stützen  haben verlängert und die Grundstimmung im Verein ist mehr als positiv.
Thorsten Frings ist zwar als Trainer noch unerfahren aber hat mit der Mannschaft schon sichtbare Fortschritte erreichen können.
Man hat intern als auch von außen keinen Druck den Aufstieg schaffen zu müssen, was sich eventuell noch als Vorteil gegenüber anderen Vereinen herausstellen wird.
Legt man jetzt noch die eklatante Auswärtsschwäche der letzten Saison ab, dürften die Darmstädter auch ein paar Wörtchen in puncto Aufstieg mitreden.

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