Saisonrückblick 2016/2017

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Leiden schafft Leidenschaft

Ein Pfiff. Totenstille. Keiner weiß was als nächstes passiert.
Dann die pure Erlösung.Alle liegen sich in den Armen, Freudentränen fließen wasserfallartig, der Klassenerhalt, er ist geschafft!
Aber blicken wir zurück ins letzte Jahr und an den Anfang der Saison.
Als Anfang August die neue Spielzeit startete, wurde die Vorfreude eines jeden Anhängers der Arminia geweckt. Durch das große Stühlerücken auf der Trainerposition verließ Norbert Meier nach knapp zweieinhalb Jahren den DSC und Rüdiger Rehm wurde als neuer Cheftrainer verpflichtet. Viel Hoffnung hatte man in den noch jungen Coach gesteckt, so sollte er endlich wieder ansehnlichen Offensivfußball präsentieren. Doch bis auf ein paar gute Ansätze war nichts Brauchbares zu erkennen, sodass nach 10 Spielen kein einziger Sieg verbucht werden konnte und man mit 5 Punkten tief im Tabellenkeller stand. Dafür hagelte es mächtig Kritik.
„Rehm raus!“ schallte es von den Rängen, der Frust war spürbar. Dann nach der 4:0 Klatsche in Düsseldorf wurden die Fans erhört und es folgte Carsten Rump. Gleich von Beginn seiner ersten Amtszeit als Interimstrainer war zu erkennen: Der Mann gibt den Jungs auf dem Platz Mut.
Dennoch musste aufgrund der fehlenden Lizenz von Rump ein neuer Trainer her und so wurde der Ex-Trainer von Stuttgart Jürgen Kramny vorgestellt. Keiner wusste so richtig einzuschätzen, was der neue zu schaffen vermochte. Eine grundlegende Skepsis war allerdings von Beginn an vorhanden, angesichts des desaströsen Saisonstarts.
Diese konnte der 45-jährige dann sogar vorerst größtenteils beseitigen, gewann die Mannschaft unter ihm noch die ersten beiden Heimspiele.
Die Unzufriedenheit machte sich aber anschließend schnell wieder breit, als der Effekt vom neuen Trainer verflogen war und ein Punktverlust auf den nächsten folgte.
Die Kritik an Spielern und Mitarbeitern des DSC wurde immer lauter, wenn der Abstieg vermieden werden sollte, musste ein Wunder her.
Viele hatten im Frühjahr den Verein abgeschrieben, als man beispielsweise am 24. Spieltag Tabellenschlusslicht war und man nach zwei gefloppten Trainertransfers noch kein Mal in der Saison über mehrere Spiele hinweg überzeugen konnte.
Der Druck war immens, noch so einen fatalen Fehlgriff durfte sich Arabi nicht erlauben.
Und Arabi überraschte die Fans mit einem Namen, der den meisten bis dahin unbekannt war. Jeff Saibene sollte Rump ablösen, der die zweite Amtszeit als Interimscoach angenommen hatte und wirkte in seinem Auftreten äußert authentisch. Die Skepsis gegenüber dem Luxemburger war natürlich am Anfang noch vorhanden, aber sie sollte sich schnell auflösen als die Mannschaft unter ihm mit Kampfgeist überzeugte.
Die Zahl der Optimisten im Block stieg wieder, die Fans schienen, genau wie die Spieler, neu belebt und so startete man schwungvoll in die Schlussphase der Saison. Überall merkte man, dass jeder kämpfen will, ob auf dem Platz oder lautstark auf den Rängen, um diesen Klassenerhalt zu schaffen und so diese Saison noch irgendwie zu retten.
Eine Spannung entstand, die kaum auszuhalten war und bereits ein paar Spieltage vor dem Saisonende wurde jedem klar, dass es wieder auf ein Saisonfinale in Dresden hinausläuft.
Doch anstatt sich diesem Druck zu unterwerfen und ängstlich zu agieren wurden sie buchstäblich in den Abstiegskampf und zur Motivation geschrien.
Keiner wird so schnell diese eine, vielleicht legendäre Ansprache von Carsten Rump vergessen. Was die Mannschaft daraufhin fabrizierte, ist kaum mit Worten zu beschreiben. Mit 6:0 fegte man die Braunschweiger aus dem Stadion, für die es bis vor diesem Spiel noch um den direkten Aufstieg ging. Ein Spiel, an dass sich jeder Armine nur zu gerne erinnert.
Und so hatte sich die Mannschaft noch damit belohnt, dass sie jetzt mit einem besseren Torverhältnis als 1860 München und einem Punktegleichstand besser dastand und mit breiter Brust in das Saisonfinale ziehen durfte.
Aber Arminia wäre nicht Arminia, wenn sie ein solchen Finale ohne den absoluten Nervenkitzel gestalteten.
Die Anspannung war unerträglich, die Fans zitterten und der Puls raste. Als es zur Halbzeit auf beiden Plätzen 0:0 stand, war alles noch in bester Ordnung. NOCH.
Denn innerhalb zwei Minuten wurde die Welt für die Arminen auf den Kopf gestellt. Während die Dresdner den Treffer zum 1:0 bejubelten sickerte schon bei den über 2.000 mitgereisten Bielefeldern das 1:0 von 1860 München durch.
Eine Mischung aus Frust, Trauer und Hilflosigkeit ging umher, gestärkt durch die schmähenden Rufe der Dynamofans, die sich sichtlich über einen Abstieg des DSC gefreut hätten.
Bis zur 84. Minute tat sich kaum etwas, es wurde überlegt wie man nach Regensburg kommt, die ja schon als Gegner in der Relegation feststanden, so wenig Hoffnung gab es noch.
Was dann passierte, ist, wie man so schön sagt, eine Geschichte, die nur der Fußball schreibt.
Fast wie eine Kopie des Geschehens der beiden Treffer ca. 25 Minuten vorher, folgte ab der 84. Minute, nun zugunsten von Bielefeld.
Julian Börner traf nach einem Freistoß zum 1:1 worauf kurze Zeit später in Heidenheim ebenfalls das 1:1 folgte. Arminia war plötzlich wieder gerettet zu dem Zeitpunkt.
Jegliche Anspannung wurde herausgeschrien, die Stimmung war großartig, bis zum Abpfiff.
Arminia konnte nun nicht mehr eingreifen, alles hing an Heidenheim. Alle starrten auf ihre Smartphones, der Liveticker wird sekündlich aktualisiert, die Nerven liegen blank. Nicht noch einmal möchte man so ein niederschmetterndes Resultat davontragen müssen. Jeder einzelne im Block weiß was drei Jahre zuvor passiert ist, der Schmerz war einfach unerträglich.
Alle sind gebannt bis auf einmal der Jubel ausbricht. Tim Kleindienst erlöste eine ganze Region mit diesem einen Tor und sorgte im Dresdner Auswärtsblock für eine wahnsinnige Eskalation.
Mit feuchten Augen umarmen sich die Fans, auch Carsten Rump lässt seinen Gefühlen freien Lauf.
Es ist geschafft! Was gut zehn Minuten zuvor keiner mehr für möglich gehalten hätte, ist wahr geworden.
Arminia ist einfach kein Verein, der alles souverän über die Bühne bringt, Arminia ist das volle Paket. Alles von niederschmetternsten Ereignissen bis hin zur puren Euphorie. Und genau das macht unseren Verein zum allerschönsten auf der Welt.

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