Jeff Saibene, der unumstrittene…

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Es gibt so Tage, an denen wird einem bewusst, was für ein Chaosverein der DSC Arminia Bielefeld tatsächlich ist.

Oder war?

In den letzten 18 Jahren schafften es lediglich 6 Trainer mehr als 50 Spiele auf dem Schleudersitz des Cheftrainers zu überstehen, einer davon heißt nun Jeff Saibene.

Unglaubliche 15 Trainer (Interimstrainer ausgenommen) durften sich in dieser Spanne beweisen, alleine 10 davon seit dem Bundesligabstieg vor 9 Jahren, beim Konkurrenten aus Heidenheim gab es in dieser Zeit, mit Frank Schmidt, genau einen Trainer, der Hamburger Sportverein hatte genau 11 Übungsleiter.

Es scheint trotzdem ein wenig Ruhe eingekehrt zu sein, Jeff Saibene ist seit über 500 Tagen im Amt und auf der Alm bereits eine Ikone.

Jeff Saibene wurde so schnell wie kaum ein anderer in die Herzen geschlossen und hat Bielefeld im Sturm erobert, wie sah das bei den anderen „500ern“ aus?

In diesem Jahrtausend durften 6 Trainer mehr als 50 Spiele betreuen und gleichzeitig auch 6 Trainer mehr als 500 Tage im Amt bleiben.

Während Rappolder mit 49 Spielen und 436 Tagen an dieser Marke, teils freiwillig, knapp vorbei schrammte, wurde Ernst Middendorp in seiner dritten Amtszeit nach 271 Tagen und 27 Spielen von seinen Aufgaben befreit.

Markus von Ahlen überlebte 81 Tage und 12 Spiele,  Christian Ziege 128 Tage und 13 Begegnungen.

Konstanten? Eher Mangelware!

Stefan Krämer und Norbert Meier kamen in ihrer Cheftrainer-Zeit immerhin auf 857 respektive 843 Tage und stellen damit bereits Dauerbrenner dar.

Komplettiert wird das Sextett durch Thomas von Heesen, Michael Frontzeck und Benno Möhlmann.

Jeff Saibene wird im Zuge des nächsten Spiels, im Hinblick auf die Einsätze, Michael Frontzeck überholen und damit der Trainer mit den fünftmeisten Einsätzen im 21.Jahrhundert werden.

Wie sieht es im Hinblick auf den Erfolg aus? Wir schauen uns die 6 Trainer einmal genauer an und vergleichen ihre Erfolge nach 53 Partien!

**Um die Bilanzen etwas anzupassen haben wir die Begegnungen des Westfalenpokals ignoriert und lediglich Liga- und DFB-Pokalspiele betrachtet.**

 

Norbert Meier

Denkt man an Norbert Meier, so fallen einem wohl drei Begriffe ein:

„Schlechter Abgang“, „Käsebrötchen“ und „Unentschieden“.

Kaum ein Trainer hatte einen solch schweren Stand bei den Fans, sein Auftakt verlief holprig, mit seiner nüchternen und ruhigen Art stieß er den emotionalen Arminen im Abstiegskampf das ein oder andere Mal vor den Kopf.

Durch den überragenden Ligafinish, mit den Siegen gegen Bochum und Dresden, hat er sich einiges an Kredit erspielt, sollte man meinen.

Aber natürlich verbindet man mit dem Namen Meier unumgänglich das bittere Relegationsaus gegen Darmstadt und das darauf folgende Interview.

All das führte dazu, dass der Großteil einen Neuanfang, ohne Norbert Meier, forderte.

Der Routinier ging den Gang in Liga 3 trotzdem mit und stand spätestens nach der Niederlage gegen Osnabrück erneut in scharfer Kritik, „Meier raus“-Rufe folgten.

Dass auf diese Ereignisse eine der erfolgreichsten Spielzeiten in Arminias Historie folgen sollte, war damals kaum zu erwarten.

Meier stürmte das Pokal-Halbfinale und fuhr einen vollkommen souverän Aufstieg in die 2.Liga ein, knappe 10 Monate nach seinem Amtsantritt folgte dann auch endlich der Schulterschluss mit den Fans.

Auch in der 2.Liga bewies Nobert Meier durchaus Durchblick, stand allerdings aufgrund seiner Defensivtaktik häufig in der Kritik, der Abgang kam plötzlich und zu einem Zeitpunkt, an denen die meisten Arminen gerade Gefallen an der Beziehung „Meier-Arminia“ zu finden schienen.

Bilanz

Die 53.Begegnung Meiers war wohl die bitterste und doch schönste Niederlage der jüngeren Arminia-Vergangenheit, man verlor mit 0:4 gegen den VfL Wolfsburg und beendete damit eine überragende Pokalsaison unter den 4 besten Mannschaften Deutschlands.

Norbert Meier besitzt von allen Trainer die beste Bilanz nach 53 Begegnungen, konnte unglaubliche 29 Partien gewinnen.

Von massenhaften Unentschieden weit und breit keine Sicht, tatsächlich verbuchte er in seinen ersten 53 Spielen die wenigsten Unentschieden der 6 Kandidaten, gleichzeitig schoss der DSC unter ihm die meisten Tore und kassierte die wenigsten Gegentore.

Fairerweise muss man erwähnen, dass er mit einem sehr guten Kader in der 3.Liga startete und dementsprechend anders zu bewerten ist, trotzdem fallen auch 20 Spiele der 2.Bundesliga oder des DFB-Pokals unter diese erfolgreiche Zeit.

Faktisch hat sich der DSC, in den ersten 53 Spielen unter Meier, um zwei Plätze verschlechtert, aufgedröselt bedeutet dies einen „Abstieg“ vom 17.Platz der 2.Bundesliga auf den 1.Platz der 3.Liga.

 

Stefan Krämer

In Sachen Beliebheit kann wohl lediglich Stefan Krämer mit Jeff Saibene mithalten.

Dazu muss man allerdings auch sagen, dass Stefan Krämer den wohl angenehmsten Zeitpunkt für eine Amtsübernahme erwischte, angenehm, aufgrund der geringen Erwartungshaltung.

Jede Medaille hat zwei Seiten und so erwischte Stefan Krämer wohl auch den schwächsten Arminia-Kader des aktuellen Jahrhunderts.

Aus den gegebenen Umständen machte der Übungsleiter das wohl optimalste und gefiel besonders durch seine authentische Art und Weise.

Der Sprung vom Abstiegskandidaten der 3.Liga zum frechen 2.Liga-Neuling tat sein übriges.

Spätestens mit dem berühmten Arminia-Tattoo machte sich Stefan Krämer unsterblich, selten wurde eine Entlassung von Fanseite dermaßen kritisiert, auch das wird ein Grund für den schweren Start von Norbert Meier sein.

Während man Meier höchstens einen Monat nachweinte, fällt der Name Stefan Krämer immer wieder und wird wohl bei jeder Trainerentlassung als Nachfolger gefordert werden.

 

Bilanz

Stefan Krämer betreute 51 von 53 Spielen in der 3.Liga und trat zweimal im DFB-Pokal an.

Von allen Arminia-Trainern schaffte er die größte Verbesserung in dieser kurzen Zeit, vom 20.Platz der 3.Liga schaffte er es in 53 Spielen zum Nichtabstieg und im Folge dessen auf Platz 3 der selbigen Liga.

Dabei musste Stefan Krämer die wenigsten Niederlagen akzeptieren und stellte die zweitbeste Defensive.

Zwar trainierte Stefan Krämer auch lediglich in Liga 3, hatte dabei allerdings einen vergleichsweise schwachen Kader zur Verfügung und erfüllte nicht nur die Erwartungen, wie es beispielsweise ein Norbert Meier tat.

 

 

Michael Frontzeck

Müssen wir zu Frontzeck überhaupt etwas erzählen?

Unter Frontzeck hat wohl gar nichts gepasst, die destruktive Spielweise, die Talfahrt nach 5 Jahren Bundesliga und der Ostwestfalen fremde Charakter.

Auf Ewig wird der Name Frontzeck als eines der größten Missverständnisse der Arminia-Geschichte verankert bleiben, obwohl er faktisch nie mit dem DSC abgestiegen ist.

In der ersten Saison schaffte er den Nichtabstieg mit Ach und Krach, in der zweiten Saison kam die Entlassung einen Spieltag vor dem Abstieg, die Farce mit Jörg Berger wird ebenfalls auf Ewig in den Geschichtsbüchern verankert sein.

Betrachtet man seine Statistiken, dann wundert man sich tatsächlich, dass er 53 Spiele auf der Trainerbank Platz nehmen durfte und damit die schlechteste Punktausbeute eines Trainer mit über 500 Amtstagen manifestieren durfte.

 

Bilanz

Die wenigsten Siege, die meisten Niederlagen.

Zudem die mit Abstand wenigsten Tore UND die meisten Gegentore.

Wie im Text beschrieben, Michael Frontzecks Zeit braucht man nur anhand der Statistik beäugen und kriegt ein passendes Bild.

Übernahm die Arminia auf einem Nichtabstiegsplatz und führte sie in der kommenden Saison auf einen direkten Abstiegsplatz und damit auch in den Abstieg.

Thomas von Heesen

Den Fußball unter von Heesen bezeichnen nicht wenige als den besten Fußball der letzten Bundesliga-Zugehörigkeit.

Generell hatte Thomas von Heesen einen guten Stand bei den Arminen, als Spieler hat er überzeugt und danach immer wieder in verschiedenen Positionen den Kopf hingehalten.

Ob als Cheftrainer, Interimscoach oder auch Sportlicher Leiter, den Namen Thomas von Heesen konnte man zu damaligen Zeiten nur mit Arminia Bielefeld verbinden.

In seiner zweiten Amtszeit als Trainer übernahm er die Arminia zur Saison 2005/2006 und musste mit wechselhaften Ergebnissen kämpfen, erreichte aber trotzdem das Halbfinale des DFB-Pokals und eine relative ungefährdete 13.Tabellenposition.

Auch die Saison 2006/2007 sollte eine gute werden, ehe Thomas von Heesen eine Vertragsverlängerung ausschlug und öffentlich mit einem Wechsel kokettierte.

9 Spiele in Folge blieb die Arminia sieglos und trennte sich schließlich bereits deutlich vor dem Saisonende von Thomas von Heesen, trotzdem bleibt hier wohl den wenigsten der schlechte Abgang in finaler Erinnerung.

 

Bilanz

Von Heesen besitzt, wenig überraschend, die zweitschlechteste Punktausbeute des Sextett.

Seine Gegner hießen allerdings auch Bayern München und Borussia Dortmund und nicht Stuttgart II und Babelsberg.

Trotzdem lässt er Michael Frontzeck deutlich hinter sich, hatte lediglich das Manko, dass es unter ihm wohl zu selten zu einem Unentschieden reichte, so fuhr er beinahe die gleiche Anzahl an Niederlagen wie Frontzeck ein.

Die Mannschaft präsentierte sich trotzdem deutlich stabiler in der Defensive und erzielte auch deutlich mehr eigene Tore.

Übernahm die Arminia zu einem Saisonstart als Cheftrainer, konnte sie innerhalb der ersten 53 Partien vom 15.Platz auf den 6ten führen und zwischenzeitlich den Nichtabstieg feiern.

 

Benno Möhlmann

Der Dinosaurier des 21.Jahrhunderts konnte insgesamt 1213 Tage als Trainer agieren und leitete die Geschicke in 119 Begegnungen.

Den jüngeren Arminen wird der Name vermutlich nichts mehr sagen oder zumindest nicht in dem Maße mit Arminia verbunden werden können.

Dabei stieg man unter Benno Möhlmann auf und erlitt unter diesem einen der kuriosesten Abstiege der Bundesliga-Geschichte.

Trotzdem durfte er nach dem Abstieg weitermachen und erwischte keine allzu schlechte Saison 2003/2004.

Den gestiegenen Erwartungen genügte es nach über 3 Jahren aber nicht mehr und so musste er seinen Platz räumen und den folgenden Aufstieg aus der Ferne beobachten.

Benno Möhlmann war insgesamt sicherlich beliebt, hatte aber wohl genau so viele Befürworter wie Gegner unter den hiesigen Fans.

Gerade im Laufe seiner langen Amtszeit schwank die Stimmung immer wieder um und bescherte nicht selten ein Wechselbad der Gefühle.

 

Bilanz

Benno Möhlmann besitzt wohl die ausgeglichenste Bilanz, eine gute Offensive und eine gute Defensive.

Zudem hielten sich Niederlagen und Siege beinahe die Waage, gleichzeitig stieg die Arminia Tabellarisch 3 Plätze höher, als er sie zum Amtsantritt übernommen hatte waren sie auf Platz 7 der 2.Liga, nach 53 Begegnungen stand der 4.Platz zu Buche.

Als er 2003 dann entlassen wurde, stand im übrigen, 3 1/2 Jahre nach Amtsübernahme, der 8.Platz auf dem Zweitliga-Tableau, quasi ein Umtausch ohne Gebrauchspuren.

 

Jeff Saibene kommt nach 53 Begegnungen auf einen guten Wert von 1,45 PPS und überzeugt vorallem durch eine hohe Durchschlagskraft in der Offensive.

Gleichzeitig wirkt die Defensive von Spiel zu Spiel nicht ganz sattelfest, 74 Gegentore bedeuten hier den zweithöchsten Wert.

In Sachen Unentschieden scheint der „Graf von Luxemburg“ wohl auch bald einen Titel zu verdienen, insgesamt holte er doppelt so viele Unentschieden wie Meier in seinen ersten 53 Begegnungen.

Den beständigsten Fortschritt des 21.Jahrhunderts schaffte wohl aber ebenfalls Jeff Saibene, vom 18.Platz der Tabelle führt er den DSC auf den aktuell 10.Platz.

Vor vier Tagen war es noch der 4.Platz und am Ende der letzten Saison stand ebenfalls selbiger, unter Jeff Saibene wirkt die Arminia am beständigsten und ohne größere Ausreißer, vielleicht auch ein Grund für seine große Beliebtheit…

 

NameSiegeUnentschieden NiederlagenToreGegentoreDurchschnittspunkteVeränderung
Jeff Saibene19201488741,45+8
Norbert Meier29915105591,81-2
Stefan Krämer24161377641,66+17
Michael Frontzeck8222346810,87-2
Thomas von Heesen19122266681,30+9
Benno Möhlmann20151892671,41+3

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