Gründe für die Rettung

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„Oh Pardon, sind sie der Graf von Luxemburg?“.

Ein Spruchband sticht aus dem Block der Bielefelder heraus, keine 10 Minuten nach dem Herzschlagfinale.

Die mitgereisten Bielefelder Fans wollen ihren Trainer huldigen, eben jenen Jeff Saibene, geboren in Luxemburg.

9 Spiele hat Jeff Saibene im vorraus als Trainer der Arminia geleitet, einen Punkteschnitt von 1,56 Punkten pro Spiel, sowie einen Sprung innerhalb der Tabelle von Platz 17 auf den, Nichtabstiegsplatz 15.

Der Einstand war passabel, so verdankte man es trotzdem einem kuriosen Last-Minute Eigentor von Junior Diaz, dass man immerhin noch einen Punkt aus Würzburg mitnehmen durfte.

Doch durch den Heimsieg gegen Düsseldorf (2:1), sowie dem ersten Auswärtssieg der Saison in Sandhausen (1:3) holte Jeff starke 7 Punkte aus 3 Spielen und brachte die Hoffnung zurück nach Bielefeld.

In der „Jeff Saibene-Tabelle“ belegt Arminia den 6.Tabellenplatz mit immerhin 6 Punkten Vorsprung auf den Relegationsplatz und das in nur 9 Spielen.

Doch wieso konnte die Mannschaft unter Jeff Saibene befreiter aufspielen, als noch unter Rehm und Kramny?

 

Der Faktor „Saisonfinale“:

Ein sicherlich nicht zu vernachlässigender Faktor.

So hatte man gerade unter Rehm häufig den Verdacht, die Mannschaft würde gegen ihn spielen, im Saisonfinale treten solche Phänomene in der Regel nicht auf.

Da jeder Spieler auch an seine eigene Zukunft denken muss und die Arminia, anders als beispielsweise 1860 München, nicht mit „Topstars“ gespickt war, deren Zukunft unabhängig vom Verein gesichert ist, mussten die Spieler von Arminia alles für einen Klassenverbleib tun.

 

Der Faktor Reinhold Yabo:

Unter Jürgen Kramny oft nur auf halber Flamme gespielt und in falscher Rolle eingesetzt, konnte Yabo bis zur Verpflichtung von Saibene nur 2 Vorlagen in 7 Spielen beitragen.

Unter Saibene hingegen steuerte, der nun eher als HS eingesetzte Yabo 4 Tore und 2 Vorlagen in 7 Spielen bei.

Einerseits hat Jeff Saibene sicherlich von der Suspendierung profitiert, die Carsten Rump vor dem Spiel gegen K`Lautern beschlossen hatte, da Saibene nun einen bis in die Haarspitzen motivierten Yabo vorfand, andererseits hat Saibene seine Rolle auch anders definiert und die Stärken besser genutzt.

 

Der Faktor Fabian Klos:

Natürlich bildet auch unser Kapitän einen wichtigen Faktor bezüglich des Saisonfinales.

Jeff Saibene hat den mutigen Schritt gewagt, den vorher keiner gewagt hatte und den Kapitän auf die Bank gesetzt.

So legte er die Verantwortung auch bewusst auf andere Schultern und provozierte Spieler der „zweiten Reihe“ in die Bresche zu springen.

Gleichzeitig gestaltete sich unser Spiel als schwerer auszurechnen, fehlte nun schließlich der Dreh und Angelpunkt FK9.

Man muss dazu sagen, dass Fabian Klos als Joker trotzdem ein wichtiger Bestandteil des Systems Saibenes war, da er trotzdem in jedem Spiel eingewechselt wurde und auch 2 immens wichtige Tore erzielt hatte.

Einen Spieler wie Fabian Klos auf der Bank zu haben, schürt natürlich ebenso Hoffnung, da man als Fan weiß, dass der Trainer zu jeder Zeit nachbessern kann und einen Topstürmer einwechseln kann, was Saibene auch in jedem Spiel tat.

 

Der Faktor System:

Das System an sich wurde umgestellt, man spielte einen schnelleren Fußball, als noch unter Kramny.

Das System glich dem von Rehm, war aber ausgeglichener, so wurde die Defensive nicht gänzlich vernachlässigt.

Gleichzeitig wurde das Tempo besser dosiert, so war die Mannschaft in der Lage, über 90 Minuten ihr Spiel zu spielen, ausgenommen wird das Spiel in Bochum, welches, in der Schlussphase, an die Zeit unter Rüdiger Rehm erinnerte.

Insgesamt kann man sagen, dass Saibene die besten Aspekte der Systeme von Rehm und Kramny herausnahm und diese zu einem neuen System zusammensetzte.

 

Der Faktor Rump:

Unter Jeff Saibene schien Carsten Rump nicht nur der „Hütchenaufsteller“ zu sein, sondern ein fester Bestandteil des Trainerteams.

Saibene registrierte Rumps Nähe zur Mannschaft und dessen Know How über Vorgänge im Verein und ließ ihn einige Aufgaben übernehmen.

So beispielsweise die Motivationsrede vor dem Spiel gegen Braunschweig, als er die Mannschaft vollkommen erreichte.

Jeff Saibene erwähnt generell oft seinen „Staff“ und bindet diesen anscheinend in seine Entscheidungen ein.

Aufgrund der Erfolge von Rump als Interimstrainer ein an sich logischer Schritt, doch hatte man unter Jürgen Kramny ein anderes Gefühl, so agierte Rump als Co-Trainer von Saibene viel häufiger an der Seitenlinie, als noch unter Kramny.

 

Der Faktor Florian Dick:

Der Rechtsverteidiger hatte bis zur Verpflichtung von Saibene genau 61 Minuten auf dem Platz gestanden, sollte sich im Winter sogar einen neuen Verein suchen.

Unter Saibene absolvierte er 720 von 810 möglichen Minuten, verpasste nur ein Spiel aufgrund einer Gelbsperre.

Eine weitere mutige Entscheidung des Luxemburges, die zu 100% aufging.

So brachte Dick die nötige Ruhe in die Defensive und stabilierte diese nachhaltig.

Rehm und Kramny bezeichneten ihn noch als „zu langsam für die 2.Liga“, davon wollte Saibene nichts wissen.

Neben der Personalie Fabian Klos, sowie des erneuten Torwartwechsels von Davari zu Hesl, eine weitere mutige Entscheidung des Trainers, die sich als richtig erwies, so muss man auch erwähnen, dass ein Schlüssel zum Erfolg der war, dass Saibene an jeder Stellschraube schraubte, sei es noch so gewagt.

 

Der Faktor „unbeschriebenes Blatt“:
In der Schweiz hatte Jeff Saibene bereits einige Erfolge im Zusammenhang mit dem Nichtabstiegs-Kampf, in Deutschland war der Name aber noch unbekannt.

So wäre unter beispielsweise Ernst Middendorp zwar eine größere Euphorie entstanden, doch gleichzeitig auch ein größerer Druck.

Jeff Saibene konnte vergleichsweise „ruhig“ arbeiten, da sich jeder erst einmal ein Bild von ihm machen wollte.

 

Der Faktor „Glück“:

Jeff Saibene hat aus der Schweiz wohl ein Funken Glück mit ins beschauliche Ostwestfalen gebracht.

So wurde die Arminia im Saisonverlauf oft vom Pech heimgesucht, doch unter Jeff Saibene schien sich das Blatt zu wenden.

Angefangen mit dem glücklichen Last Minute Ausgleich gegen Würzburg, gefolgt vom 6:0 gegen Braunschweig, ein Spiel, dass es in dieser Form wohl nur einmal alle 20 Jahre gibt, sowie den letzten 10 Minuten in Dresden, als man von Torwartfehlern bzw. glücklichen Wendungen in Heidenheim profitierte.

 

Wie geht es weiter?

Jeff Saibene hat durch seine ruhige und abgeklärte Art wieder Vertrauen in die Verantwortlichen geschaffen.

So ließ seine Vertragsverlängerung auf sich warten, aber wohl auch nur, weil Saibene einen klaren Plan verfolgt und diesen mit unter anderem Samir Arabi absprechen wollte, bevor er unterschreibt.

Gleichzeitig errinert seine Art an die von Norbert Meier, jede Entscheidung wird kommuniziert und erklärt, eine willkommene Situation für die Arminen.

Ebenso scheint Jeff Saibene zu großen Teilen in die Transferpolitik eingebunden zu werden und durch sein Know How über den Schweizer Markt auch einige Optionen zu schaffen.

Samir Arabi hat wieder einen starken Mann an seiner Seite und kann sich dementsprechend vollkommen um sein Hauptgeschäft, die Transfers, kümmern.

Seine Art des Fußballs erinnert weniger an die von Norbert Meier, ist sie doch deutlich offensiver ausgerichtet, doch auch die Ergebnis-Streuung deutet Parallelen an.

So spielte man in 9 Spielen auch immerhin 5-mal unentschieden und verlor nur einmal.

„Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen“, ein Zitat, dass man unter Norbert Meier wohl häufiger benutzte.

 

Die Zukunft steht in den Sternen, doch lässt sich bereits jetzt eine gewisse Euphorie unter den Anhängern der Arminia vernehmen, diese gab es allerdings vor der letzten Saison auch, nicht untypisch für, die als launisch geltenden, Ostwestfalen.

Bisher haben die Entscheidungen von Jeff Saibene allerdings alle Hand und Fuß, die Euphorie ist zumindest in Teilen nachvollziehbar, doch gleichzeitig muss er, in seiner ersten kompletten Saison als Bielefeld Trainer, natürlich auch noch beweisen, ob er wirklich der Graf von Luxemburg ist.

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