Fortuna Düsseldorf

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Jährlich grüßt das Murmeltier…

 

Auch in diesem Jahr haben die Fortunen aus der Landeshauptstadt wieder den Anspruch ganz vorne mit dabei zu sein.
Schaut man sich die Fluktuation der Spieler von Fortuna Düsseldorf in den letzten 4 Jahren an, könnten böse Zungen behaupten man kaufe sich jedes Jahr ein neues Team zusammen, um dann mit brachialer Gewalt den Aufstieg zu schaffen.
Stimmt natürlich so nicht und wäre übertrieben.
65 Neuverpflichtungen und 68 Abgänge seit 2013 sind zwar eine beachtliche Zahl, aber nicht so außergewöhnlich wie es auf den ersten Blick scheint.
Sagen lässt sich jedoch eindeutig, dass die Düsseldorfer keinesfalls apathisch auf dem Transfermarkt agieren.
In der Summe macht das knapp unter 6 Millionen Euro Transferausgaben.
Sicherlich die Konsequenz daraus, dem eigenen Anspruch Jahr für Jahr hinterher zu hinken.
Auch in der letzten Saison konnte man den sicheren Nichtabstieg erst am letzten Spieltag mit einem 1:0 Heimsieg gegen Aue perfekt machen. Eine weitere Folge des andauernden Misserfolges: Der Trainerstuhl der Rot-Weißen gleicht eher einem Schleudersitz.
Ganze neun Trainer innerhalb der letzten vier Jahre versuchten sich daran die Fortunen wieder in die Erfolgsspur zu bringen (Interimstrainer mit eingerechnet).
Momentan hält der erfahrene Routinier Friedhelm Funkel das Zepter in der Hand.

Damit kommen wir zur Gegenwart.
In dieser Transferperiode schienen sich die Düsseldorfer etwas zu bremsen und verpflichteten „nur“ 11 neue Spieler, bei 10 Abgängen.
Zwei Neuverpflichtungen kosteten Ablöse, die restlichen wurden ausgeliehen, kehrten von einer Leihe zurück oder kamen ablösefrei.
Dass die Düsseldorfer dieses Jahr im Vergleich zu vorherigen Jahren etwas zurückhaltender auf dem Markt agieren kann mit der finanziellen Situation zusammenhängen, muss es aber nicht.
Die Rheinländer sind geldmäßig nicht gerade auf Rosen gebettet.
Sportlicher Misserfolg, sinkende Zuschauer- und Sponsoreneinnahmen sorgen für rote Zahlen.

Wahrscheinlicher scheint allerdings, dass die Düsseldorfer ihre Transferpolitik dieses Jahr überdacht und verändert haben.
Die Kaderzusammenstellung wirkt durchdacht.
So gut wie jede Position ist doppelt und qualitativ ordentlich besetzt, sodass sich Chefcoach Friedhelm Funkel einige Variationsmöglichkeiten bieten.
Der Konkurrenzkampf ist dadurch gegeben und niemand wird sich hängen lassen können.
Die Mischung zwischen jung und alt, scheint ebenfalls gefunden worden zu sein.
Im Kader befinden sich einige Talente, bei denen man gespannt sein darf wie sie sich entwickeln.
Zum Beispiel der 19-Jährige Innenverteidiger Gökhan Gül, welcher wohl vorerst keinen Stammplatz inne haben wird, aber sein Potential schon das ein oder andere Mal unter Beweis stellen konnte.
Oder man nehme den von Gladbach ausgeliehenen Mittelfeldmann Florian Neuhaus, der bei dem ungeliebten Nachbarn aus dem Fußball-Oberhaus einen satten 5-Jahres Vertrag unterschrieben hat.
Bei Düsseldorf soll und wird wohl er Spielpraxis sammeln.

Vielen Fans der Rot-Weißen, war das Spiel der Mannschaft in der vergangenen Saison zu defensiv und passiv ausgerichtet.
Die Fortuna stellte mit mageren 37 Treffern eine der schwächsten Offensiven der Liga.
Mehrmalig standen mit Hennings und Bebou nur 2 wirkliche Offensivspieler auf dem Platz.
Friedhelm Funkel hat die Vorbereitungszeit genutzt und viel experimentiert.
Besonders überzeugt zu haben scheint ihn das 3-5-2 System, weshalb sich wohl ein Systemwechsel anbahnt auch wenn Funkel variabel bleiben will und bekannt dafür ist, die Spielweise auch mal dem Gegner anzupassen.
Für das neue System braucht es mehr als einen Stürmer, sodass die Fortuna in den letzten beiden Wochen Emir Kujovic (KAA Gent) und Havard Nielsen (SC Freiburg) verpflichtete.
Besonders Nielsen wurde vom Trainer als großer Gewinn für den Sturm bezeichnet und wird wohl einen Stammplatz einnehmen.
Woher diese Euphorie kommt, kann man schon mal in Frage stellen.
Der norwegische Nationalspieler hat in seinen letzten beiden Saisons keinen Treffer erzielt.
Zugegebenermaßen hatte er auch mit einigen Verletzungen zu kämpfen, in seiner Braunschweiger Zeit hingegen stellte er unter Beweis, dass er weiß wo die Bude steht.
Bleibt also abzuwarten ob er von Verletzungen verschont bleibt und an seine alte Form anknüpfen kann.
Ebenfalls gesetzt im Sturm wird Rouven Hennings sein.
Letzte Saison als Leihspieler von Burnley gekommen, steht dieser nun fest unter Vertrag.
Ohne Zweifel eine gute Entscheidung hier die Kaufoption zu ziehen, denn der 29-Jährige war mit 9 Treffern intern der beste Torschütze in der vergangenen Spielzeit.

Weitere gute Transfers wurden mit dem auf der linken Außenbahn flexibel einsetzbaren Niko Gießelmann (Greuther Fürth) und Innenverteidiger Andre Hoffmann (Hannover 96) getätigt, wobei dieser schon letzte Saison für Düsseldorf auflief.
Auch ihm wurde nach der Leihe ein Vertrag angeboten.

Die Landeshauptstadt verlassen haben unter anderem Kevin Akpoguma, Alexander Madlung, Lars Unnerstall, Arianti Ferati und Didier Ya Konan.
Den Weggang von Abwehrspieler Akpoguma zu Hoffenheim, dürfte man als den größten Verlust werten.
Trotzdem ist man hier mit Kaan Ayhan, Hoffman und Gökhan Gül gut aufgestellt.

Von den sieben bisher ausgetragenen Vorbereitungsspielen, konnten zwar fünf gewonnen werden, doch die jeweiligen Gegner waren deutlich unterklassig anzusiedeln.
Die Spiele gegen die beiden einzigen “echten” Prüfsteine Brighton & Hove Albion und Sporting Charleroi, verlor Düsseldorf jeweils mit 2:0.

Insgesamt fällt das Fazit für die Rheinländer aber positiv aus.
Der Kader wurde gezielt und sinnvoll verstärkt, Abgänge wurden auf dem Papier gleichwertig ersetzt und ein neues Spielsystem schürt die Hoffnung auf attraktiveren Fußball. Wir legen uns fest, dass Fortuna Düsseldorf eine bessere Saison als zuvor spielen wird, ohne Kontakt zu der wirklich gefährlichen Tabellenregion.

Warum Vorstandschef Robert Schäfer allerdings als Minimalziel Platz sechs ausgibt und Trainer Funkel vom Aufstieg spricht, erscheint etwas voreilig und auch zu hoch gegriffen.
Zieht man in Betracht, dass man die letzten Saisons als Pleiten bezeichnen kann, wäre etwas mehr Demut vielleicht nicht fehl am Platz.
Die Mannschaft mit gestandenen Spielern wie Rensing, Bodzek, Fink oder Sobottka hat letzte Saison sicherlich unter ihren Möglichkeiten gespielt und ist eigentlich zu mehr fähig.
Doch auch durch die guten punktuellen Verstärkungen wird daraus kein Team, von dem man den Aufstieg erwarten oder fordern kann.
In der „Transfermarkt.de-Marktwerttabelle“ liegen die Düsseldorfer hauchdünn vor Arminia Bielefeld.
Die Erfolge von Friedhelm Funkel liegen auch schon ein paar Jahre zurück.
Die Testspiele könnten eine Warnung sein, dass der Fortuna-Motor auch in dieser Saison nicht richtig anspringen will.
Eventuell sollte mit solchen Aussagen der schon angesprochene etwas schleppende Ticketverkauf angekurbelt werden.
Man setzt sich so aber völlig unnötigen Druck- sowie der Gefahr aus, am Ende wieder in enttäuschte Gesichter zu blicken.

Wie schon geschrieben, gehen wir davon aus, dass Düsseldorf eine solide Saison spielen wird und vielleicht auch an mal vorsichtig an die oberen drei Plätze anklopfen kann. Für den Aufstieg wird es am Ende wohl aber nicht reichen.
Eine Saison ohne jegliche Sorgen dürfte man objektiv als Erfolg werten.
Für die Verantwortlichen wäre es offenbar eine Enttäuschung.

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